Ulla Lachauer   Ritas Leute - wolgastromdeutsche Geschichten

16. Mai 2003  Freitag  20:00 Uhr

(Gespräch)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Über zwei Millionen deutschstämmige Aussiedler aus Russland leben mittlerweile in Deutschland. Die jüngsten Generationen der einst im 19. Jahrhundert aus Westpreußen an die Wolga Ausgewanderten, die unter Stalin in die kasachischen Steppen verbannt wurden, leben nun in Kehl am Rhein, Untertürkheim oder Engelskirchen. Unter ihnen Rita Pauls, geboren 1969 im kasachischen Karaganda. – Durch einen Zufall trifft die Chronistin Ulla Lachauer (Ostpreußische Lebensläufe, Paradiesstraße u.a.) auf Rita Pauls und ihre Familiengeschichte. »Da ist eine, wo wissen will«, heißt es unter Ritas Verwandten, wenn Lachauer auftaucht und ihr geduldvolles Zuhören beginnt. Denn viel reden sie nicht. Die Geschichten sind verschüttet. Als das Vertrauen wächst, und es wächst schnell, reisen Pauls und Lachauer in das unwirtliche und wohl auch unwirklicher gewordenene Karaganda zurück, besuchen Nachbarn, die alte Schule, gehen die alten Wege. – Lachauer, die mit »Ritas Leute« wundersam intim einen Teil deutsch-russischer Geschichten aufgezeichnet hat, spricht mit Hauke Hückstädt über die kleinen Geschichten unter dem Buckel der großen, über sympathetische Lauschangriffe und vielleicht auch über die verwunschenen Wege zweier Tschapkas aus dem Jahr 1972.