Zsuzsa Bánk   Somnambule Freischwimmer

23. Mai 2003  Freitag  20:00 Uhr

(Lesung, Literatur)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Das Schwimmen und das Freischwimmen, die Froschbewegungen, sich eine Geschichte zu finden, haben die Literatur seit jeher in den Sog gezogen. Zsuzsa Bánks Debüt Der Schwimmer entspringt den Erinnerungen einer Geschwisterschaft und setzt deren somnambule Kindheitszüge im ungarischen 1956 ab, um sie von dort bis in das zweite Schicksalsjahr des europäischen Ostens auf eine familiale Odyssee zu schicken. Kata, Isti und ihr Vater ziehen nach Budapest und von dort quer durch Ungarn. Zu unbekannten, dann oft geliebten Verwandten – zu Gesichtern, die ihnen zuerst nichts, dann zu viel bedeuten. Ohne große Ereignisgeschichte zu bemühen, erzählt Bánk in ihrer klaren Sprache, in wundersam traurigen Vokabeln einen spiegelnden Wasserteppich aus Stimmungen, aus Sehnsüchten und Melancholien. Der ungarische Erzähler Péter Nádas meint angesichts solch sprachlicher Luzidität sogar, es sei »nicht möglich, die astronomische Distanz zwischen Bánks Gegenstand und ihrer Sprache anders als ein Drama zu erleben.« Ob vielleicht doch oder warum das so ist, versuchen Katrin Blumenkamp und Eva Eichberger im Gespräch mit der Autorin aufzuklaren.