Emine Sevgi Özdamar   Brecht-Pendlerin

3. Oktober 2003  Freitag  20:00 Uhr

(Lesung, Literatur)
Literarisches Zentrum, Göttingen


Foto © Helga Kneidl

Istanbul, Berlin, Berlin. Emine Sevgi Özdamar verlässt die Türkei, um das Theater Brechts zu lernen. Lebt in Westberlin, hat ein Visum für Ostberlin. Verlässt jeden Tag die Rotwein- und Zigarettenseligkeit der Kommune mit der Wanne, in der sie nie allein badet und dem Frühstückstisch, an dem alle am liebsten nackt sitzen. Fährt mit der S-Bahn zur Grenze. Tauscht Westgeld gegen Ostgeld. Taucht ein in die Ostberliner Volksbühnen-Boheme. Sie arbeitet mit Besson, Langhoff, Castorf, Heiner Müller. Eine Brecht-Pendlerin. Über diese Zeit – Mitte der 70er unter der Glocke Berlin – schreibt Özdamar, wie schon zuvor in Die Brücke vom Goldenen Horn (1998) und Der Hof im Spiegel (2001) nun auch in Seltsame Sterne starren zur Erde. Poetisch montiert sie Tagebucheinträge, Skizzen, Probenbeobachtungen, Schlagzeilen zu einem Berlin-Roman, der mit staunenden Augen auf die Zeit zwischen Schleyer-Entführung und Biermann-Ausbürgerung zurückblickt. Jens Meyer (Hannover), Journalist, Theatergänger und Mitbegründer des Literarischen Salons, spricht mit Özdamar über ihr Leben in den zwei Berlins, über ihr Schreiben, die Schauspielerei und darüber, dass sie in deutschen Filmen wie HAPPY BIRTHDAY, TÜRKE immer wieder die kopftuchtragende »Türkenmutti« spielt.