Boris Sieverts   Entdeckung der Peripherie

7. Mai 2004  Freitag  20:00 Uhr

(Lesung, Literatur)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Jenseits des historischen Stadtkerns, hinter geschliffenen Stadtmauern, entlang der Ausfallstraßen und ins Gewerbegebiet, bis die Ränder zu Wiesen werden. Weg von der geschichtsträchtigen Schwere pittoresker Altstädte und hin in die Bedeutungslosigkeit der Peripherie. Jenen Raum, der nur durchfahren wird, um Baumarkt oder Drive-Inn zu erreichen, nicht, um darin zu verweilen. Brachland, das im Bebauungsplan übersehen wurde oder in dem sich das Versagen menschlichen Planungs- und Ordnungssinns verdichtet, wo ein Bauvorhaben eingestellt, eine Boden-nutzung versiegt ist: ungewollte, ungeplante, form- und nutzlose Zwischenflächen. - Boris Sieverts, vom Spiegel als »Schäfer der Un-Orte« tituliert, organisiert Städtereisen unter Titeln wie Paris ohne Eiffelturm oder Köln - Bonn: Zwischen Autobahnen, Baggerseen und Gleisfeldern, die an Sehenswürdigkeiten vorbei ins Brachland vordringen, um dort neue Räume zu schaffen. Außerdem schreibt er fast lyrische Führer wie die 10 Reiseempfehlungen zur B1, die nicht anleiten, sondern selbst dadaistische Lebensentwürfe sind. - Boris Sieverts wird von seinen Touren berichten, er wird Filmmaterial dabei haben und Fotos zeigen. Anschließend tritt er ins Gespräch mit Jean-Michel Berg.