Marcel Beyer   »Kaltenburg« - von Tieren und Menschen

23. Mai 2008  Freitag  20:00 Uhr

(Lesung, Literatur)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Marcel Beyer eignet sich Stoffe an, historische, naturkundliche, technische. Er nimmt sie auf, wie ein Tier die Farbe des Untergrundes annimmt. »Man verzweifelt an der Form, nicht am Stoff«, sagte er einmal in Umkehr zu Friederike Mayröcker, deren gesammelte Prosa und Gedichte er ediert hat. Sein Material neigt dazu, sich zu strecken. Er sorgt dafür, dass es sitzt.  Beyer schrieb jahrelang für die Musikzeitschrift Spex und arbeitete als Performancekünstler. Mitte der 90er erschien mit „Flughunde“ einer der nachhaltigsten Romane dieser Jahre. Es folgten die starken Gedichtbände „Falsches Futter“ und „Erdkunde“. Dann übersetzte er den Wahlengländer Michael Hofmann. In dem nun erscheinenden Roman „Kaltenburg“ geht es um die Begegnungen eines Verhaltensforschers, einer Art DDR-Konrad-Lorenz, mit dem Ich-Erzähler, einem angehenden Ornithologen. Haupthandlungsort ist Dresden, doch ist es kein Dresdenroman. Und auch keine DDR-Historie. Beyer geht es um Möglichkeiten des Daseins, um die Druckkammern historischer Gegebenheiten, um Stimmungen. Es geht um Menschen und Tiere. Und kann man das erforschen, das Verhalten, unseres, das der Tiere? – Wenn sie uns anschauen.

Das Gespräch führt die Literaturkritikerin Cornelia Jentzsch (Berlin).