Robert Thalheim   »Am Ende kommen Touristen«

26. Januar 2008  Samstag  20:00 Uhr

(Gespräch)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Deutschland macht sich eine Geschichte und verfilmt: Flut, Flucht, Führerbunker. Eher pathetisch, symbolisch, emotional, aus allen Schnitten platzend. Geschichte fürs Gefühl. Und dann kommt ein 32-jähriger und dreht einen Film über Auschwitz, einen Ort, der Sensibilität verlangt wie fast kein anderer. Aber in AM ENDE KOMMEN TOURISTEN findet Vergangenheit in der Gegenwart statt. Ganz klar, fast schon dokumentarisch ist dieser Film über Sven, der seinen Zivildienst beinahe zufällig in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau ableistet und dort mit dem ehemaligen Lagerinsassen Krzeminski konfrontiert wird. Neben den Häftlingskoffern, die dieser immer noch restauriert, gibt es dort nunmehr auch Shuttlebusse, Snackläden und Souvenirbuden. – Thalheim, der zuvor das Arbeitslosendrama NETTO (2004)  drehte, sucht in seinem zweiten Kinofilm nach einem angemessenen Verhältnis zur Geschichte. Der Journalist Rüdiger Suchsland (Berlin) spricht mit dem Regisseur über den Film und die Dreharbeiten, die nämlich mit einem deutsch-polnischen Stab an Originalschauplätzen stattfanden, während Odonkor und Neuville in der 91ten Minute die Polen beinahe doch noch wie ein Weltmeister aus Deutschland überliefen.