Daniel Kehlmann   Ruhm

19. Februar 2009  Donnerstag  20:00 Uhr

(Lesung, Literatur)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Für Die Vermessung der Welt hatte Daniel Kehlmann im magischen Realismus Lateinamerikas nach dem literarischen Erbe Franz Kafkas gesucht. Während sein Bestseller weltweite Kreise zog, schien die gleichzeitig veröffentlichte Essaysammlung Wo ist Carlos Montúfar im Heckwasser des Erfolges zu verschwinden. Darin brach der Autor zu einer geistigen Vermessung westlicher Weltliteratur auf. Mit Bewunderung für den bissigen französischen Aufklärer Voltaire, Sympathie für die Außenseiter der europäischen Moderne Hamsun und Tolkien suchte Kehlmann seine roten Fäden vor allem in der US-amerikanischen Literatur Updikes und Salingers. Im deutschsprachigen Nachkriegskanon fühlt sich der zwischen Berlin und Wien nomadisierende Österreicher wenig beheimatet. Daher seine Identifikation mit den Stiefkindern der Gruppe 47 und dem »sehr ernsten Spötter« Georg Kreisler. Ironie als Wesenselement seiner Romane wird auch in seinem 2009 erscheinenden Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten mitschwingen. Jedes Buch lasse er als »notdürftig aufgeräumte Baustelle« zurück. Der Literaturkritiker Joachim Scholl (Berlin) wird mit ihm dieses unfertig-fertige Haus besichtigen.