Tim Renner   Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm

28. April 2009  Dienstag  20:00 Uhr

(Gespräch)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Tocotronic und Element of Crime holt er Mitte der 90er aus den Kellern in die Klubs. Rammstein baut er zum Exportschlager auf. Nach dem Totlaufen der Neuen Deutschen Welle bekommt deutscher Pop wieder Oberwasser – auch dank ihm. Als Tim Renner 2004 zum CEO von Universal aufsteigt, scheint der Germanistik-Abbrecher im Zenit seiner Karriere zu stehen. Doch die goldenen Jahre sind vorbei, der Börsen-Hype wird für viele Labels zum Sündenfall. Profite stehen gegen Inhalte. Zur Jahrtausendwende bricht der Markt wegen CD-Brennern und Musiktausch im Web ein. Renner aber bekennt sich zur Digitalisierung der Musik. Als der Vorstand den unrentablen Deutschpop dem Kapital opfern will, sagt er: »Nur über meine Leiche«. – »Dann bist du jetzt tot!«, ist die Antwort. Renner verlässt das Unternehmen, startet MotorMusic neu. Mit integriertem Label, Radio und Web-TV-Sender wird er Pionier. Er bringt Sportfreunde Stiller, PeterLicht, Polarkreis18 heraus und zeigt, dass Mainstream kanalisierbar ist. 2008 erscheint sein Buch „Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm“ (Rogner  &  Bernhard). Der Steidl-Lektor und Autor Jan Strümpel (Göttingen) spricht mit ihm über das Leben nach dem Tod der Musikindustrie.