Ulrich Holbein   Irre Schöne Welt

23. April 2009  Donnerstag  20:00 Uhr

(Lesung, Literatur)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Wer die Welt zu ernst nimmt, hat schon verloren. Denn »wer sich nicht schieflacht, weint sich krumm.« Ulrich Holbein, der universalvergeistigte Eremit und Vollblutironiker aus dem Knüllgebirge, kann die Weltgeschichte nur als ein Panoptikum der Narren begreifen. »Alle 11 Sekunden eine noch verrücktere Fresse« – Holbein ist ein Grenztänzer. Wo pure Ironie und Zynismus verschwimmen, hängt sein Schwebebalken.

In seiner unfassbaren Enzyklopädie „Narratorium“ versammelt er 255 tragische und schaurige Gestalten, porträtiert sie in Miniatur-Essays. Den Rahmen bilden Selbst- und Fremdzitate, in denen die Narren sich als Karikaturen ihrer selbst inszenieren. Zu fragen, ob sie nun real (Ali, Bohlen, Hitler) oder fantastisch (Eulenspiegel, Don Quijote, Papageno) sind, wäre eine närrische Haarspalterei. Denn wer will, seit es Michael Jackson gibt, noch ernsthaft über die Trennschärfe zwischen echt und künstlich streiten? Das „Narratorium“ ist eine Sergeant-Pepper-Collage in epischer Breite, pure Ironie mit der schwarzen Chuzpe Monty Pythons. Die Moralphilosophin Michaela Rehm (Göttingen/Bielefeld) wird mit Holbein über den zeitlosen Menschenschlag der Narren streiten.