Wilhelm Genazino   Von der unerträglichen Unmöglichkeit nur halbtags zu leben

14. Mai 2009  Donnerstag  20:30 Uhr

(Lesung, Literatur)
Altes Rathaus, Rathaushalle, Göttingen

Schwarzmaler, Protokollant des gesellschaftlichen Bewusstseins, Seismograf. Wilhelm Genazino schreibt Romane, durchzogen von Ironie, von Alltag, von Melancholie. Singulär die skurrilen Helden des Büchner-Preisträgers: freischaffende Apokalyptiker, Ekelreferenten, Panikberater, Schuhtester – gebrochene, von Verschwindungssucht geplagte Gestalten, die sich gegen die Zumutungen des Lebens zur Wehr setzen.

Aufsehen erregte Genazino Ende der 70er mit der Romantrilogie um den Büroangestellten Abschaffel, eine minutiöse Analyse des Alltagsirrsinns. Mit dem Wechsel zum C. Hanser Verlag folgten „Ein Regenschirm für diesen Tag“ oder auch „Die Liebesblödigkeit“. Jetzt schreibt Genazino über „Das Glück in glücksfernen Zeiten“. Protagonist Warlich versucht sich an der Erschließung neuer Glücksgebiete, bei der das kleine Wort »eigentlich« eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Sein Wunsch, nur halbtags zu leben, gestaltet sich eher schwierig, ebenso die geplante Eröffnung der »Schule der Besänftigung«. – Literaturwissenschaftler Christoph Jürgensen (Göttingen) wird im Gespräch mit Wilhelm Genazino dem Glück in glücksfernen Zeiten nachspüren.