Alex Demirovic und Moritz Ege   Elitenkritik in den Krisen der Gegenwart: Zwischen Demokratisierungsversprechen und neuem Autoritarismus?
GASTVERANSTALTUNG

13. Juni 2019  Donnerstag  20:00 Uhr

(Gespräch)
Literarisches Zentrum, Göttingen


Foto © Universität Frankfurt

»Die Eliten« in Politik und Kultur haben derzeit viele Gegner*innen – werden aber auch immer wieder vehement verteidigt. Im letzten halben Jahr wurde in einer Reihe von Veranstaltungen in der Göttinger Stadtgesellschaft über die Hochkonjunktur anti-elitärer Stimmungen und Bewegungen in der Gegenwart diskutiert – mit Kultur- und Sozialwissenschaftler*innen, Film- und Fußballfans, Modedesigner*innen, Gewerkschafter*innen, Studierenden und anderen. Zur Sprache kamen Konfliktfelder wie das Stadt/Land-Verhältnis, exklusive kulturelle Autorität und soziale Ungleichheit, Arbeitskämpfe, Geschlechter- und Generationenverhältnisse, Expertise/Wissensmonopole und ihre Infragestellung wie auch historische (Dis)-Kontinuitäten zu großen Krisen des 20. Jahrhunderts – immer vor dem Hintergrund der ambivalenten Potenziale solcher Kritiken und der schwierigen Frage, wer diese »Eliten« überhaupt sind und ob es nicht ein performativer Widerspruch ist, eine solche Diskussion in universitätsnahen Milieus zu führen.

An diesem Abend sollen einige Ergebnisse dieser Gespräche gebündelt vorgestellt werden. Eine weitergehende Einordnung des Themas in die Gegenwartsgesellschaft nimmt Alex Demirovic vor, der in seinen Arbeiten immer wieder unterschiedliche Fäden – wirtschaftliche, kulturelle, politische – zusammenspinnt, sie in ihrer Verwobenheit analysiert und zugleich (radikal-)demokratische Ausgänge aus der gegenwärtigen Krisenkonstellation zur Diskussion stellt.  

Alex Demirovic, Philosoph und Politikwissenschaftler, hat eine Reihe von jüngeren Publikationen Fragen der Krise und ihren Verarbeitungsformen gewidmet, u.a. »Multiple Krise, autoritäre Demokratie und radikaldemokratische Erneuerung« (2013), »Vielfachkrise und die Krise der Geschlechterverhältnisse« (2013) bis zu »Europe - what’s left? Die Europäische Union zwischen Zerfall, Autoritarismus und demokratischer Erneuerung« (2017). Seine Expertise erstreckt sich u.a. auf die Felder der Staats- und Demokratietheorie, Wirtschaftsdemokratie, Intellektuellengeschichte, Konjunkturen des Rassismus. Er betreibt kritische Gesellschaftsforschung in der Tradition der Frankfurter Schule. Ebendort, an der Universität Frankfurt, hat Prof. Demirovic neben zahlreichen Gastprofessuren im In- und Ausland auch einen Großteil seiner akademischen Karriere verbracht und hält gegenwärtig eine außerplanmäßige Professur für kritische Gesellschaftstheorie inne.

Moritz Ege ist Professor für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie an der Universität Göttingen, arbeitet u.a. über Popkultur und ihre politischen Implikationen, Initiator der Reihe »‘Gegen die Eliten!‘ Zur Konjunktur eines Krisenmotivs« www.gegendieeliten.uni-goettingen.de.

Gefördert durch das Niedersäschische Ministerium für Wissenschaft und Kultur.