Herbert Knaup   Tate Gallery oder Das Schweinsohr am Sofa

25. Juni 2005  Samstag  20:00 Uhr

(Lesung, Literatur)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Ein Abend wie eine Galerie. In der man sich etwas anschaut, das man gerade für sich entdeckt hat. Kalifornischen Surrealismus. Ein Gedicht. Oder das Profil einer Stimme. Ein Gesicht, das man aus dem Kino oder aus dem Fernsehen kennt, aber so nicht erwartet hat. Oder einen Übersetzer, der Dichter ist. Der zu den Besten seiner Generation zählt.

Ein Zusammentreffen und Ineinanderfallen, das unerwartbar war. James Tate, amerikanischer Lyriker und Träger des Pulitzer Prize for Poetry. Seine Gedichte können den Leser verwirren, kitzeln, verblüffen und erschrecken. Das alles zugleich. Gedichte, die damit beginnen, die Verzweiflung als erwiesenen Fakt anzusehen. Aber dabei sind sie komisch, pathetisch, verschroben, durchtrieben. Wie in den Versen von dem einsamen Mann, der sich ein Schweinsohr ans Sofa näht und angeregte Gespräche führt. 

Jan Wagner hat diesen großen amerikanischen Lyriker von chaplinesker Dramatik mit dem Band Der falsche Weg nach Hause erstmals umfassend ins Deutsche gebracht. Dass der Schauspieler Herbert Knaup (DIE SIEGER, LOLA RENNT, LICHTER) sie eigens für diesen Abend lesen wird, ist schon kein Glücksfall mehr. Wer sonst hätte die nötig lässige Präsenz, um Gedichte wie Verandatheorie, Liste berühmter Hüte oder Fallengelassene Entwürfe zu rezitieren.