Michael Hagner   Geniale Gehirne

28. Januar 2005  Freitag  20:00 Uhr

(Lesung, Literatur)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Goethe grub Schillers Schädel aus und identifizierte ihn nach der Größe, die dem Genie des Dichterkollegen entsprach. Lenins Denkorgan lagert eingelegt, weit weg vom Lenin-Mausoleum. Der vermutete Hort von Einsteins Brillanz wurde stückchenweise in Forschungslabore über die ganze Welt verstreut.

Der außergewöhnlichste Körperteil begabter Menschen übt seit jeher eine Faszination auf Forscher aus. Egal, ob es sich um Koryphäen oder Scharlatane handelt. Irgendwo muss sich der Sitz des Genies doch verorten, sich irgendwie erklären lassen.

Geniale Gehirne ist ein scharfsinniger historischer Überblick der Elitegehirnforschung. Michael Hagner stellt darin dar, wie von Schädelkunde über Physiognomik bis Neuroimaging immer feinere Methoden zum Einsatz kamen, um des Genies habhaft zu werden. Dabei zeigt er auf, wie jeder Forschungsansatz von seiner Zeit abhängig ist, geniale Gehirne deswegen nicht nur wissenschaftliche, sondern vor allem kulturelle Objekte sind.

Gemeinsam mit Michael Hagner wird Volker Lilienthal, ausgezeichneter Journalist der epd Medien, einen Weg durch die Windungen der Materie finden und dabei sicher mehr als Eselsbrücken zur Gegenwart schlagen. Noch ist nicht einmal das durchschnittliche Gehirn enträtselt. Und dennoch scheint die Zeit nahe, in der Moral, Seele oder freier Wille als leuchtende Punkte einer Kernspintomographie sichtbar gemacht werden können.

 

In Zusammenarbeit mit dem Wallstein Verlag