Aysun Bademsoy   »Am Rand der Städte« oder Lost in Mersin

21. April 2010  Mittwoch  20:00 Uhr

(Gespräch)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Nach Jahren in Deutschland zieht es sie wieder zu Familie und Wurzeln in die Türkei zurück. Die Türken nennen sie »Deutschländer«. Vom Ersparten leisten sie sich Wohnungen in Appartementburgen mit Namen wie »Meeresblick« oder »Am Olivenhain«, mit Balkon und Pool und Grenzzaun zur außenliegenden Türkei. Reintegration ist schwer. Wie die Migranten hat sich auch die Türkei in den Jahren der Abwesenheit weiterentwickelt. Aysun Bademsoys Film AM RAND DER STÄDTE zeigt die Konflikte der doppelten Migranten. Die Kamera kommt ins Gespräch mit Familien, die sich an zwei Orten zu Hause fühlen, aber nirgends heimisch. – Seit 1994 beschäftigt sich Bademsoy immer wieder mit Migrationshintergründen und kulturellen Überschneidungen. Am bekanntesten ist vielleicht ihre Trilogie über die kickenden Türkinnen in Kreuzberg. Nie liefert sie ihre Protagonisten der Linse aus. In diesen Filmen gibt es keine kommentierende Stimme, keine dramatisierende Hintergrundmusik drängt sich auf, Schnitte und Szenenwechsel verfolgen keine tendenziöse Aussage. Diese Filme beeindrucken durch die schnörkellos-klare Darstellung von Lebenssituationen. Die Philosophin Michaela Rehm (Bielefeld/Göttingen) fragt nach dem dokumentarischen Festhalten kultureller Doppelbegabungen.