Martin Schmitz   Bergsteigen auf Sylt

8. März 2007  Donnerstag  20:00 Uhr

(Lesung, Literatur)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Landschaft entsteht im Kopf.  Aber wie sehr ist unsere Wahrnehmung kulturell vorgeprägt? Und warum ist sie schön? Mit Spaziergängen, immer schön programmatisch, gehen Promenadologen diesen Fragen nach. Begründer der „Spaziergangswissenschaften“, oder englisch auch „Strollology“, war der „Querfeldein-Denker“, Soziologe und Nationalökonom Lucius Burckhardt (1925-2003). Als Dozent im Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung der Universität Kassel kombinierte er Spaziergänge im Kasseler Umland mit der Lektüre über die erste Expedition Captain Cooks nach Tahiti. Kümmerliche Verkehrsinselpflänzchen wurden  mit kleinen Steckschildern und lateinischen Bestimmungsnamen versehen wie „Poa annua L., das Einjährige Rispengras“. Im Seminar „Wahrnehmung & Verkehr“ zogen Burckhardt und seine Studenten zu Fuß durch die Straßen von Kassel – jeder eine Windschutzscheibe vor sich her tragend. Denn Spaziergangswissenschaftler interessieren weniger die schönen Aussichten als vielmehr Sichtweisen und das Beziehungsgeflecht, das Müßiggänger mit ihrer Umwelt verbindet.
Der Verleger von Francoise Cactus und Rosa von Praunheim, Martin Schmitz, schloss sein Studium bei Burckhardt mit einer Diplomarbeit über Imbissbuden ab. Mit dem Band „Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft“ hat er eine Sammlung von dessen Aufsätzen herausgegeben und hält einen promenadologischen Vortrag.