Raimund Fellinger und Martin Huber   Der Briefwechsel Bernhard/Unseld

9. Dezember 2010  Donnerstag  20:00 Uhr

(Lesung, Literatur)
Literarisches Zentrum, Göttingen

Ein Mammutprojekt war die Herausgabe des Briefwechsels zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld. Die von 1961 bis 1988 währende Korrespondenz zwischen Autor und Verleger umfasst über 500 Briefe. In einem Feuerwerk an Fußnoten, gespickt mit Notizen, Reiseberichten und Aufzeichnungen, lassen die Herausgeber zwei Giganten der Literatur- und Verlagsgeschichte lebendig werden. Hier treffen Größenwahn und Großzügigkeit aufeinander. Ist das Verhältnis von Verlegern und Autoren auch oftmals das eines verheirateten Paars, werden hier die Bedingungen des Ehevertrags auf dem Schlachtfeld ausgehandelt. Es ist ein Kampf mit ungleichen Waffen: Auf den Starrsinn des schillernden Aggressors Bernhard reagiert Diplomat Unseld mit Beschwichtigung, auf erzürnte Eitelkeit mit Verständnis und Kalkül. In ihrer Reibung entstand eine Energie, die beide in ihrem Bereich zu Höchstleistungen anspornte. Wir wagen einen Blick in Abgründe – des Literaturbetriebs und der Psyche seiner Akteure.