Das Literarische Zentrum will seinen Namen ernst nehmen: Wir möchten die enormen literarischen Kräfte der Stadt bündeln und »zentrale« Schnittstelle und Treffpunkt sein für die Verlage, die Universität, die Buchhandlungen und – vor allem – natürlich für alle Literaturinteressierten. Und die sind zahlreich hier! Göttingen ist eine Literaturstadt, wie die vielen entsprechenden Einrichtungen beweisen: 

Göttingen ist vor allem eine Verlagsstadt. Zu den wichtigsten gehören Steidl, Vandenhoek & Ruprecht und der Wallstein Verlag, aber auch Hogrefe, der bundesweit wichtigste Verlag für Psychologie, der Sachbuchverlag Die Werkstatt und einige andere mehr. Der Steidl Verlag ist neben seinem literarischen Programm vor allem für seine Fotobücher bekannt, für die er dank seiner hauseigenen Druckverfahren international  sehr geschätzt wird. Ein Verlag mit großer Tradition ist Vandenhoeck & Ruprecht: 1735 parallel zur Universität Göttingen gegründet, publiziert V&R vornehmlich wissenschaftliche Bücher. Der Wallstein Verlag ist ebenfalls für herausragende wissenschaftliche Bücher bekannt, seit einigen Jahren aber auch für sein entsprechendes belletristisches Programm. 

Göttingen ist auch eine Stadt des Buchhandels: Obwohl die Buchhandlungsdichte in den vergangenen Jahren abgenommen hat – auch Göttingen bleibt leider nicht verschont von den allgemeinen Entwicklungen –, gibt es immer noch viele Gelegenheiten, hier zu stöbern und einzukaufen: Als Göttingen-Besucher vom Bahnhof kommend, stoßen Sie zunächst einmal auf eine Vielzahl von Antiquariaten, die unterschiedlichste Lesewünsche und -bedürfnisse erfüllen, sowie Eulenspiegel, eine Buchhandlung für spirituelle Wege und Kunst. Schlendern Sie weiter durch die Innenstadt, werden Sie die Akademische Buchhandlung Calvör entdecken, die Buchhandlung Hertel, den Laura Frauen- und Kinderbuchladen, Lehmanns, die Buchhandlung Rote Straße, Thalia, und die zwei Vaternahm-Buchläden Tabula und Der Buchstern.

Auch die Theater tragen natürlich maßgeblich zum literarischen Leben einer Stadt bei. Die wichtigsten drei in Göttingen sind das Deutsche Theater, das Junge Theater und das Theater im OP, wo auch regelmäßig Poetry Slams stattfinden. Aber auch die Stillen Hunde und das in dieser  Form einzigartige Theaterprojekt boat people projekt will man auf keinen Fall mehr missen in Göttingen.

Schon lange nicht mehr wegzudenken aus der Göttinger Literaturlandschaft ist der Literaturherbst: ein Literaturfestival, das seit 1992 einmal pro Jahr, wenn die Jahreszeit beginnt, in der man sich am liebsten, die Füße in dicken Wollsocken, mit ein paar Buchempfehlungen aufs Sofa zurückzieht, immer direkt im Anschluss an die Frankfurter Buchmesse stattfindet. Der Literaturherbst zeigt eine jährliche Momentaufnahme der Gegenwartsliteratur, Schwerpunkte sind hierbei die internationale Literatur und das wissenschaftliche Sachbuch.

Apropos Wissenschaft: Über die Göttinger Georg-August-Universität und deren hervorragende literaturwissenschaftliche Institute wäre so viel zu sagen, dass hier der Platz dazu fehlt. Für das Literarische Zentrum ist die Uni fraglos die wichtigste Partnerin, und das nicht nur, weil die Uni einen unerschöpflichen Pool an höchst kompetenten Moderatoren bereithält. Die Uni finanziert die vier jährlichen Volontariate am Zentrum, aber auch in diversen Veranstaltungsreihen arbeiten Uni und Zentrum aufs engste zusammen; die mittlerweile traditionsreichste dieser Reihen ist die jedes Jahr im Dezember stattfindende Poetikdozentur.

Und wo wir schon bei den Literaturwissenschaftlern sind: Wahrscheinlich gibt es keinen einzigen Germanisten, der nicht im Laufe seines Studiums bei der einen oder anderen Hausarbeit die Hefte der Zeitschrift TEXT+KRITIK zu Rate gezogen hat. Dass TEXT+KRITIK aus Göttingen stammt, weiß man dabei nicht unbedingt. Die Zeitschrift erscheint zwar in der Münchner edition text+kritik, die Redaktion ist aber seit der Gründung 1962 in Göttingen ansässig. Der Begründer und Herausgeber der Zeitschrift Prof. Heinz-Ludwig Arnold ist außerdem auch Herausgeber des Kritischen Lexikons zur Gegenwartsliteratur (KLG) sowie der 2009 erscheinenden, völlig neu bearbeiteten Ausgabe von Kindlers Literatur Lexikon. Arnold begründete auch das Kritische Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur (KLfG).

In Göttingen werden drei Literaturpreise verliehen, die dem literarischen Profil der Stadt Kontur verleihen. Über 99 Dosen Rahm-Suppe und ein Preisgeld darf sich jedes Jahr der Gewinner des Satirepreises Göttinger Elch freuen, der damit einen Großmeister des Humors ehrt. Der Alexanderpreis wird jährlich für journalistische Arbeiten vergeben, die sich mit der Vergangenheit der Stadt Göttingen und ihres Umfeldes beschäftigen. Und es gibt es den Samuel-Bogumil-Linde-Preis, der im Jahrestakt von der Stadt Göttingen gemeinsam mit der polnischen Partnerstadt Thorn an deutsche und polnische Schriftsteller verliehen wird, die sich um Verständigung, Versöhnung und freundschaftliche Zuwendung zum jeweiligen Nachbarn verdient gemacht haben.

Um sich über das literarische Leben in Göttingen und auch darüber hinaus auf dem Laufenden zu halten, kann man auf verschiedene Presseorgane zurückgreifen. Einen guten Überblick über die meisten in Göttingen stattfindenden literarischen Veranstaltungen bietet der Göttinger Kulturkalender. Im studentischen Online-Feuilleton Litlog und dem nichtkommerziellen Online-Stadtmagazin GoeSt finden sich regelmäßig Veranstaltungsberichte und Rezensionen. Und natürlich berichtet auch die einzige lokale Zeitung, das Göttinger Tageblatt, auf seinen Magazinseiten regelmäßig über literarische Themen. Wer lieber übers Lesen hört, kann sich über das Göttinger Stadtradio oder das studentische Radio GöHört informieren. Weitere lokale Zeitschriften, in denen sich gelegentlich auch Literarisches findet, sind Charakter, Leben 37, Faktor, in göttingen sowie Trends&Fun.

Lesungen werden in Göttingen, abgesehen vom Literarischen Zentrum und dem Literaturherbst, hin und wieder auch von Buchläden veranstaltet, zum Beispiel Deuerlich, Eulenspiegel oder Thalia. 

Die Stadt Göttingen pflegt einen umfangreichen Überblick über alle Göttinger Kultureinrichtungen.

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