Was war das, der »boxenstopp«?

 

... ein »aufbruch ins aufbrechen«
(Marlene Streeruruwitz)

»Mir hat neben all dem Spaß und den lieben Leuten, die ich kennenlernen durfte, besonders gut gefallen, wie sich das Denken anhand der moderierten Fragen durch die Tage geschlichen und zu immer neuen Verknüpfungen geführt hat, weil ja die Leute aus den verschiedenen Gruppen der Dynamik der Veranstaltung folgend Impulse aus den bisherigen Gesprächen mitgebracht haben, die sie noch beschäftigten und dann in der neuen Konstellation wieder neue Verbindungen und Perspektiven aufgemacht haben.«
(Hendrik Otremba)

»Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wie man mit Autor*innen umgehen kann. Man kann sie Wettbewerb und Konkurrenz aussetzen und sie in Situationen holen, in denen die Anliegen des Buchmarkts gegenüber ihren eigenen und denen ihrer Texte dominieren. Oder man kann sie als Verbündete begreifen dabei, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nachzudenken, ihnen Raum und Zeit zum Austausch geben, ihnen zuhören und am Ende keinen Preis verleihen. Ich bin sehr froh, dass ich an diesem Wochenende bei Letzterem dabei sein durfte.«
(Tristan Marquardt)

»Als wir dann alle auf der Wiese verteilt saßen und in unseren Kleingruppen über die Zukunft sprachen, über all das Ungewisse, das uns Sorgen bereitet, hatte ich eine kleine Vision. Ich habe mir vorgestellt, über unseren Köpfen würden alle Texte, alle Bücher schweben, die wir in den nächsten 80 Jahren schreiben werden und von denen wir noch gar nichts wissen oder ahnen können, und das war dann, trotz allem, wieder eine sehr beruhigende Vorstellung.«
(Shida Bazyar)

 

3 Tage, 24 Autor*innen, 8 Stunden Lesungen, 14 Panels, 2 Veranstaltungsorte, Höchsttemperatur: 36 Grad. Vom 18.-20. Juni 2021 fand der »boxenstopp«, ein literarischer Kongress, in Göttingen und Nikolausberg statt. Anlass und Struktur war der Dreischritt Innehalten – Inventur machen – Weiterrasen: Um den Zustand der Gegenwartsliteraturen sollte es gehen, um zukünftige Texte, aktuelle Herausforderungen, das Schreiben in der Krise – und die Frage, wie das literarische Schreiben auf die Umbruchsituation reagieren kann, soll und will, in der wir uns gerade zu befinden scheinen. Als Standortbestimmung, Selbstbefragung und als offenes Gespräch wollte der boxenstopp Überlegungen zu den Texten der 2020er Jahren anregen – drum luden wir diejenigen ein, die diese Texte produzieren:

Fatma Aydemir, Shida Bazyar, Sonja vom Brocke, Helene Bukowski, Carolin Callies, Safiye Can, Raphaela Edelbauer, Roman Ehrlich, Marius Goldhorn, Joshua Groß, Juan S. Guse, Anja Kampmann, Christine Koschmieder, Jonas Lüscher, Tristan Marquardt, Ronya Othmann, Hendrik Otremba, Annette Pehnt, Kathrin Röggla, Mithu Sanyal (die leider kurzfristig absagen musste), Marlene Streeruwitz, Nils Trede, Christian Uetz und Anja Utler.

Nach einem öffentlichen Kurzlesungsfestival im Dots am Freitag zogen sich die Kongressteilnehmer*innen am Samstag & Sonntag zurück, um in geschütztem Rahmen ohne Publikum einander zuzuhören, zu diskutieren, sich untereinander auszutauschen. Samstagabend fand in Kooperation mit der AG Kulturkirche Nikolausberg eine öffentliche Abendveranstaltung mit Musik und Texten statt – umsonst und draußen.

 

Das Projekt wurde gefördert im Rahmen von »Neustart Kultur« der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V. und mit Mitteln des Landes Niedersachsen auf Beschluss des Niedersächsischen Landtages.